Phase 2

Nach langem Suchen hat die Sozialbehörde des Distrikts ein geeignetes Gebäude gefunden und zusammen mit den Rotary Clubs Bergh (NL) und Ingelheim (D), hat sich unsere Stiftung an der Renovation des Gebäudes, ein verlassenes Schulhaus,  beteiligt.

In der Zwischenzeit – seit 2006 – sind drei Jahre vergangen.

Seit Anfang des Jahres 2009 konnten bald wöchentlich Meldungen über Brände in russischen Altersheimen gelesen werden. Meistens gab es eine grosse Zahl von Todesopfern. Ursachen waren desolate bauliche Verhältnisse und fehlende Sicherheitsvorkehrungen. Diese Vorkommnisse bewogen die russische und belarussische Regierung innert kürzester Zeit ein Gesetz zu erlassen, das Altersheime in Holzbauten verbietet und Feuermeldeanlagen vorschreibt. Frist zur Umsetzung dieses Gesetzes war der 1. Oktober 2009!

So stellte die Sozialbehörde des Distrikts Mogilev in Borisowitschi, ca. 10 Kilometer westlich von Klimovitschi, ein leerstehendes Schulgebäude zur Verfügung. Die Regierung konnte für die inneren Instandstellungs- und Renovationsarbeiten aufkommen. In jedem Zimmer hat es Brandmelder und Feuerlöscher die funktionieren. Für den Ersatz der völlig morschen Fenster reichte das Geld nicht mehr. Zusammen mit den Rotary Clubs Bergh (NL) und Ingelheim (D), hat die Stiftung we-help die Finanzierung der neuen Fenster übernommen. Im Dezember 2009 haben wir mit den holländischen und deutschen Freunden das neue Altersheim besucht. Wir trafen ein äusserst gepflegtes Heim an, mit grossen, hellen und sauberen Räumen. Die Bewohner haben viel Platz, Aufenthaltsräume, Essraum, Dusche und Bad. Wenn der Winter vorbei ist, möchten wir im ehemaligen, riesigen „Pausenhof“ für die Bewohner ein Gemüse- und Obstgarten anlegen. Dies dient den Alten als Freizeitbeschäftigung und/oder als Therapie.

Die Führung des Heimes und die Betreuung der Bewohner scheint uns vorbildlich zu sein. Auch die Zusammenarbeit mit den belarussischen Behörden war sehr erfreulich und kooperativ.

Wie letztes Mal sind wir nach Minsk geflogen und von dort mit einem Kleinbus nach Klimovitschi gefahren worden. Minsk zeigt sich als sehr gepflegte, saubere Grossstadt. Fast alle Gebäude im Kern der Stadt wurden renoviert. Nachts sind die Hausfassaden beleuchtet. Es herrscht eine grosse Bautätigkeit.

Die Leute auf der Strasse sind sehr freundlich und der östlichen Mode entsprechend angezogen.

Wenn man die Autos auf der Strasse betrachtet, könnte man in jeder europäischen Grossstadt sein – die neuesten Modelle aller Marken. Das einzige was auffällt, der Vortritt der Fussgänger wird konsequent respektiert.

 

Borisovitschi, ein Dorf am „Ende der Welt „. Kaum Fahrzeuge auf der Strasse, wenn schon, dann ein alter klappriger Lada oder ein aus dem Westen importiertes Wrack. Häufig sind Pferdekarren anzutreffen. Die einzigen Farbtupfer in diesen Dörfern sind die in den Landesfarben gestrichenen Zäune. Die meisten Häuser haben keine Wasserversorgung. Das Wasser muss an Brunnen entlang der Strasse geholt werden.

 

Trotz bitterkaltem Wetter macht das Altersheim schon von aussen einen gepflegten, freundlichen und grosszügigen Eindruck. Im ganzen Areal hat es Sitzbänke, die in wärmeren Zeiten gut genutzt werden können. Ein Teil des grossen ehemaligen „Pausenhofes“ soll bald, sehr zur Freude der Bewohner, zum Gemüsegarten umgebaut werden.

 

Der Empfang durch die Heimleitung und die Bewohner war sehr herzlich. Ein Chor sang Belarussische Lieder, es wurde getanzt und auch Jugendgruppen zeigten ihr Können mit verschiedenen Darbietungen. Obwohl alles hauptsächlich für uns gedacht war, war es auch für die Alten eine willkommene Abwechslung.

 

Kein Vergleich zu den Zimmern im alten Heim. Obwohl auch sechs Betten in einem Zimmer sind, ist sehr viel Platz vorhanden. Die Zimmer sind hell und sauber. Noch sieht alles etwas karg aus, aber seit dem Umzug sind erst zwei Monate verstrichen. Wir haben für jedes Zimmer eine Uhr und einen Radioapparat besorgt und in nächster Zeit werden die Zimmer mit Bildern und Vorhängen noch gemütlicher sein.

 

Bei unserem Besuch haben wir jedem Bewohner ein Geschenk mitgebracht. Dinge, die sie im täglichen Leben nicht haben, wie Fruchtsäfte,  Weintrauben, Äpfel, Bananen, Mandarinen und Schokolade. Viele weinten vor Dankbarkeit, was für uns alle sehr bewegend war. Unter den Bewohnern gibt es wenige, die bettlägerig sind.

Schon im alten Heim war das Krankenzimmer gut eingerichtet. Was wir jetzt gesehen haben, hat  unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen. Tagsüber arbeitet eine Kranken-schwester im Heim und übernimmt die medizinische Betreuung der Bewohner. Im Medikamentenschrank sind die wichtigsten Medikamente vorhanden, diejenigen die gekühlt gelagert werden müssen, sind im Kühlschrank. Handschuhe und Desinfektionsmittel liegen bereit.

Die Tageszeitung von Klimovitschi berichtete über unseren Besuch. Nachfolgend die Übersetzung des Zeitungsartikels.

 

Die Repräsentanten der Rotary-Clubs – einer internationalen Organisation, die kreative Tätigkeiten und humanitäre Zusammenarbeit in Dutzenden von Ländern der Welt führt – waren vom 12. bis 14. Dezember 2009 in Klimovitschi zu Gast. Rolf Mengel vom Club „Ingelheim“ (D), Rolf de Bas und Frans te Pas vom Club „Bergh“ (NL), sowie Urs Herzog und Rolf Metzger vom Club „Allschwil“ (CH) haben das Altenheim im Dorf Borisovitschi besucht. Mit Hilfe der Gelder, die von den Vertretern der Clubs gesammelt wurden – das sind ca. 83 Mio. Rubel – wurden die neuen, doppelt verglasten Fenster in dem Gebäude der ehemaligen Schule, wo jetzt das Altenheim ist, installiert.

Die Freunde aus Deutschland, Holland und der Schweiz haben den alten Leuten die Weihnachtsgeschenke ausgehändigt. Im Gegenzug wurde den Gästen ein Konzert-Programm angeboten. Die Repräsentanten der Rotary-Clubs haben auch die Schule im Dorf Lobsha besucht, wo sie die Exponate des Schulmuseums angesehen haben. Für die Gäste wurde in Klimovitschi eine Rundfahrt durch die Stadt mit Besichtigung der Heiligen Michael Kirche und des Heimatmuseums organisiert. Die Gäste besichtigten auch die Straussenfarm und das Jägerhaus im Dorf Bliung.

Am 14. Dezember hatte die Delegation ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees Herrn Vitali Grischanov. Teilgenommen am Treffen haben auch die Stellvertreterin des Vorsitzenden, Frau Elena Divakova und die Leiterin der Abteilung für Arbeit Beschäftigung und soziale Sicherung des Exekutivkomitees, Frau Natalia Asmolovskaja. Hauptspezialist des Republikanerzentrums für Gesundung und Sanatoriumsbehandlung der Bevölkerung ist Ivan Borschtschov.

Rolf Mengel kam zum vierten Mal. Der Beginn der Zusammenarbeit war im Jahr 2006. Während dieser Zeit haben die Repräsentanten der Rotary Clubs eine Hilfe bei der Renovierung des Dachs des Schulgebäudes im Dorf Timonovo geleistet. Zudem unterstützten sie finanziell die Erholungsreisen der Kinder aus Klimovitschi nach Deutschland. Sie werden weiterhin die Patenschaft über das Altenheim ausüben. Sie nehmen auch persönlich am Schicksal von drei Familien in unserer Stadt teil, die kranke Kinder haben.

Während des Treffens mit dem Leiter des Bezirks haben die Teilnehmer der Veranstaltung verabredet, die Zusammenarbeit fortzusetzen.

Vitali Grischanov hat den Rotary Clubs für die geleistete Hilfe und Unterstützung gedankt. Nach dem Treffen besuchte die Delegation das Gebietszentrum und die Hauptstadt der Republik.

Anlässlich unseres Besuches drehte das lokale Fernsehen einen ausführlichen Film über den Empfang im Altersheim. Angefügt ist ein kurzer Zusammenschnitt dieses Filmes.

http://www.youtube.com/watch?v=rf6QNiafM2w

  • Empfang und Begrüssung mit Brot und Salz
  • Besuch der Bewohner und Übergabe von Geschenken (Esswaren, Früchte, Schokolade, Säfte)
  • Dankesansprache der Vertreterin des Exekutivkomitees
  • Gesangsgruppe
  • Jugend-Tanzgruppe
  • einige Bewohner des Altersheims

Vor unserer Abreise haben wir unserem Freund Ivan 500 Euro übergeben mit der Bitte, für die Bewohner des Altersheims Decken zu besorgen und mit Vorhängen die Wohnräume etwas  freundlicher zu gestalten. Pflichtbewusst schickt er uns immer Fotos und eine genaue Abrechnung, was mit unserem Geld geschehen ist. Auf jeden Fall sehen die Räume viel wohnlicher aus.

Altersheim in Vialiki Moh – Belarus

Die Stiftung we-help wurde angefragt, ob sie sich an der Renovation des Daches einer Schule im Osten von Belarus beteiligen könnte. Während der Reise im Herbst 2006 haben wir auch ein Altersheim besucht. Die katastrophalen Verhältnisse haben uns bewogen, umgehend zu helfen.

Im Herbst 2006 führte uns eine Reise nach Klimovitschi, ganz im Osten von Belarus, mit dem Ziel, uns an den Kosten einer Renovation des Daches der Schule zu beteiligen. Diese Schule wurde nach der Katastrophe von Tschernobyl (26.4.1986)  rasch gebaut, um die Kinder aus den verstrahlten Gebieten für den Unterricht aufzunehmen. Etwa 300 Schüler besuchen diese Schule, wovon 24 Internatsschüler aus sozial zerrütteten Verhältnissen.
Zuerst wurde ein Gebäude mit zentralem Mittelteil und Giebeldach erstellt und später beidseits zwei Anbauten angefügt. Diese haben je ein Flachdach, das trotz mehrmaliger Renovation immer noch nicht richtig abgedichtet werden konnte. Ein Giebeldach ist unmöglich, da wegen der schnellen und schlechten Bauweise die Fundamente zu schwach sind. Dieses Dach konnte dank dem finanziellen Einsatz der Rotary Clubs Bergh in Holland, Ingelheim in Deutschland und der Stiftung we-help perfekt saniert werden.

Anlässlich dieser Reise haben wir auch das unweit von Klimovitschi gelegene Altersheim in Vialiki Moh besucht. Ursprünglich war es für 30 Personen geplant und ist aktuell mit 40 alten Menschen belegt, wovon sieben nicht mehr gehfähig sind. Es herrschen katastrophale Verhältnisse. Die Bewohner werden wie Tiere in viel zu kleinen Zimmern zusammengepfercht und liegen in alten Betten mit matratzenähnlichen Gebilden. Es gibt keine Intimsphäre und die sanitarischen Verhältnisse lassen sehr zu wünschen übrig. Das Sanitätszimmer ist jedoch sauber, ebenso die Küche mit einem 7-jährigen teils defekten Herd. Der Zugang zum Heim ist sehr schwierig und nicht rollstuhlgängig.

Wir haben das Gefühl, dass unser Besuch geschätzt wurde. Das langfristige Ziel der Rotary Clubs Bergh und Ingelheim, sowie der Stiftung we-help ist, ein neues Altersheim zu bauen. Wir sind uns aber alle bewusst, dass der Weg dorthin sehr weit und schwierig ist. Die Bürokratie ist schwerfällig, es müssen Besitzverhältnisse abgeklärt werden und es braucht Bezugspersonen in den entsprechenden Ämtern, die sich für ein solches Projekt begeistern lassen. All dies übersteigt unsere Einflussmöglichkeiten. In der Organisation Heim-statt Tschernobyl (www.heimstatt-tschernobyl.org) haben wir einen Partner gefunden, der die nötigen Beziehungen zu Belarus hat und weiter ausbauen kann.

Das Altersheim in Vialiki Moh liegt im Osten von Belarus, ca 2.5 km von der russischen Grenze entfernt. Von Minsk aus ist das Dorf über sehr gute Strassen in rund sechs Stunden erreichbar. Es liegt ausserhalb der durch die Katastrophe von Tschernobyl verstrahlten Zone. Trotzdem gibt es in dieser Gegend ein Negativwachstum der Bevölkerung, da Angst vor Missbildungen herrscht.

Von aussen sieht das Heim noch akzeptabel aus, aber schon in der Nähe des Eingangs erschlagen einem die fürchterlichen Gerüche vom absolut desolaten Zustand der sanitären Einrichtungen. Die schlechte Hygiene, die vor allem auch baulich bedingt ist (Böden und Wände mit Rissen), setzt sich im Inneren fort.

Der einzige Aufenthaltsraum für die Bewohner ist der Gang zwischen den Zimmern. Wenn es das Wetter zulässt, können sich die alten Leute auch draussen aufhalten oder im Garten arbeiten.

Vor Weihnachten 2007 haben wir unseren Vertrauensmann und „Reiseführer“ aus Klimowitschi, Ivan Borschtschow, beauftragt, den Bewohnern des Altersheims mit einem kleinen Geschenk eine Freude zu bereiten. Ivan besorgte in unserem Auftrag für jeden eine Decke und Süssigkeiten.

In diesem Zimmer von etwa 12 m² Fläche stehen sechs Betten so, dass man zwischen diesen kaum durchgehen kann. Bettwäsche und „Matratzen“ sind vom Alter und der Inkontinenz der Bewohner gezeichnet.

 

Die ausserhalb des Heims gelegene Küche ist ein Lichtblick. Sauber, hell, mit brauchbaren, zum Teil leicht defekten Geräten ausgestattet. Ders Speiseplan ist abwechlungs-reich und ausgeglichen. Einige Bewohner können bei den Küchenarbeiten mithelfen.

Wir haben das Gefühl, dass unser Besuch und Einsatz geschätzt wird. Wir wurden vom Vorsitzenden des Exekutiv-komitees, Herrn Vitali Grischanov, empfangen. Diese Ehre steht nicht jeder Delegation zu. Über unseren Besuch wurde auch in der lokalen Zeitung ausführlich berichtet.

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